VIETNAM NATIONALE UNIVERSITÄT HANOI
FREMDSPRACHENHOCHSCHULE
ABTEILUNG FÜR POSTGRADUALE AUSBILDUNG
NGUYỄN DƯƠNG DUY
ÜBERSETZUNGSSTRATEGIEN NACH DEM
FUNKTIONALEN ANSATZ AM BEISPIEL DER
DEUTSCHEN NACHDICHTUNG DES VERSROMANS
"DAS MÄDCHEN KIỀU" VON IRENE UND FRANZ FABER
Phương pháp dịch chức năng dựa trên
cứ liệu bản dịch thơ tác phẩm "Truyện Kiều"
từ tiếng Việt sang tiếng Đức của Irene và Franz Faber
ZUSAMMENFASSUNG
Fachrichtung: Germanistik
Fachrichtungscode: 8820205.01
HANOI – 2019
VIETNAM NATIONALE UNIVERSITÄT HANOI
FREMDSPRACHENHOCHSCHULE
ABTEILUNG FÜR POSTGRADUALE AUSBILDUNG
NGUYỄN DƯƠNG DUY
ÜBERSETZUNGSSTRATEGIEN NACH DEM
FUNKTIONALEN ANSATZ AM BEISPIEL DER
DEUTSCHEN NACHDICHTUNG DES VERSROMANS
"DAS MÄDCHEN KIỀU" VON IRENE UND FRANZ FABER
Phương pháp dịch chức năng dựa trên
cứ liệu bản dịch thơ tác phẩm "Truyện Kiều"
từ tiếng Việt sang tiếng Đức của Irene và Franz Faber
ZUSAMMENFASSUNG
Fachrichtung: Germanistik
Fachrichtungscode: 8820205.01
Betreuer: Dr. Lê Hoài Ân
HANOI – 2019
Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich die vorliegende Masterarbeit selbständig
angefertigt und keine andere Literatur als die angegebene benutzt habe.
.....................................................................
Nguyễn Dương Duy
i
Danksagung
Zuerst möchte ich mich bei meinem Betreuer Dr. Lê Hoài Ân für seine hilfreichen
Ratschläge und wunderbare Unterstützung während meiner Masterarbeit bedanken.
Diese Masterarbeit ist die wichtigste Arbeit in meinem Masterstudium und spielt
eine sinnvolle Rolle in meinem Leben.
Danach haben allen Dozentinnen und Dozenten vielen Dank für ihre großzügige
Zeit, ihre große Mühe, wenn sie mir mit vielen wertvollen Beratungen und
Unterstützungen im Studium an der Hochschule für Fremdsprachen gegeben haben.
Ein herzliches „Dankeschön!“ geht auch an meine Kolleginnen und Kollegen für
ihre Unterstützung. Ich fühle mich sehr glücklich, wenn sie immer bei mir sind und
mir viel helfen und unterstützen.
ii
Zusammenfassung
Titel der Arbeit: Übersetzungsstrategien nach dem funktionalen Ansatz
am Beispiel der deutschen Nachdichtung des Versromans „Das Mädchen
Kiều“ von Irene und Franz Faber
Name: Nguyễn Dương Duy
„Truyện Kiều“ ist ein großes Werk der vietnamesischen Literatur und die
Übersetzung dieses Werkes gilt als eine Brücke zwischen vietnamesische und
deutsche Literatur sowie Kultur. In Vietnam ist „Truyện Kiều“ bekannt für
Erhaltung verschiedener Philosophien und Werten, ein auffälliger Wert davon
ist der expressive Wert. Durch das System der Metapher wird es den
expressiven Wert gezeigt und durch die Übersetzungsstrategie der Metapher
wird es die Unterschiede sowie die Denkbewegung zwischen Vietnamesen
und Deutschen teilweise aufgewiesen.
iii
GLIEDERUNG
Eidesstattliche Erklärung ......................................................................................... i
Danksagung .............................................................................................................. ii
Zusammenfassung ................................................................................................... iii
1. Einführung .............................................................................................................1
1.1. Begründung der Themenwahl ..............................................................................1
1.2. Forschungsstand ...................................................................................................2
1.3. Zielsetzung und Fragestellung .............................................................................2
1.4. Vorgehensweise und Methode .............................................................................3
1.5. Aufbau der Arbeit ................................................................................................4
2. Theoretische Grundlagen .....................................................................................4
2.1. Entwicklung der Übersetzungstheorien ...............................................................6
2.1.1. Jakobsons Theorie .............................................................................................6
2.1.2. Nidas Theorie ....................................................................................................9
2.1.3. Die Theorie des Texttypes von Reiss ..............................................................14
2.1.4. Skopostheorie und die funktionale Übersetzungstheorie ................................16
2.2. Definition nach dem funktionalen Ansatz .........................................................26
2.3. Verlust beim Übersetzen ....................................................................................27
3. Praktischer Teil ...................................................................................................35
3.1. Definitionen der Metapher .................................................................................35
3.2. Übersetzungsstrategie in der Nachdichtung „Das Mädchen Kiều” nach dem
funktionalen Ansatz ..................................................................................................36
3.2.1. Nicht übersetzen ..............................................................................................36
3.2.2.
Wort-für-Wort-Übersetzung
(oder
Interlinearversion)
und
wörtliche
Übersetzung...............................................................................................................41
3.2.3. Übersetzung der Metapher als ein Mittel zur Beschreibung ...........................46
3.2.4. Übersetzung der Metapher als ein Mittel zum Vergleich ...............................48
3.2.5. Übersetzung der Metapher als Euphemismus .................................................50
iv
4. Schlussfolgerungen ..............................................................................................54
Literaturverzeichnis ................................................................................................56
v
1. Einführung
1.1. Begründung der Themenwahl
Im Kontext der Globalisierung bieten die Kooperationen zwischen Ländern,
zwischen Vietnam und Deutschland, viele Chancen in unterschiedlichen Bereichen.
Die Kenntnisse der Fremdsprachen würden eine Brücke schlagen, um den Abstand
zwischen
den
Ländern
zu
verkürzen.
Das
Bedürfnis
nach
intensiver
Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Vietnam in verschiedenen Bereichen
und auf unterschiedlichen Ebenen hat großen Einfluss auf Deutschlernen und lehren in Vietnam. Die Kulturpolitik als Kooperationsmittel ist auch im am 10.
September 2009 veröffentlichten Erlass Nr. 26/CT-TW vom Sekretariat der
Kommunistischen Partei Vietnam (KPV) betont. In diesem Kontext spielt neben
Deutschlernen und -lehren die Übersetzungstätigkeit eine wichtige Rolle.
Übersetzung ist eine alltägliche Aktivität und man braucht Übersetzung in allen
Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, zum Beispiel: in der Wirtschaft, um die
Verträge
mit
internationalen
abzuschließen;
im
Kommunikations-
und
Kulturbereich, um die anderen besser zu verstehen usw. Eine Möglichkeit für den
Zugang zu einer fremden Kultur ist Literatur, weil nach C. Nord die literarische
Übersetzung nicht nur eine sprachliche Aktivität, sondern auch eine kulturelle
Arbeit ist. (Nord 2011: 117).
In Vietnam würde vielleicht jeder das Werk „Truyện Kiều“ kennen. In der
Oberschule lernen die vietnamesischen Schüler einige Abschnitte von „Truyện
Kiều“, und „Truyện Kiều“ wurde und wird immer noch in Prüfungen im Schulfach
Literatur in Vietnam benutzt. Außerdem gibt es in Vietnam im Hinblick auf
„Truyện Kiều“ viele kritische Analysen aus verschiedenen Perspektiven. In diesem
Versroman wird auf verschiedene Werte und Einstellungen eingegangen, die den
Kontext der vietnamesischen Gesellschaft reflektieren. Deshalb kann man sagen,
„Truyện Kiều“ gilt als ein Symbol der vietnamesischen Literatur. Dieses Werk ist
schon in unterschiedliche Sprachen übersetzt worden. Trotzdem wäre „Truyện
Kiều“ außerhalb von Vietnam nicht bekannt, weil es nicht einfach ist, aufgrund
1
sprachtypologischer und kultureller Unterschiede das Werk in die anderen Sprachen
zu übersetzen.
1.2. Forschungsstand
Wie schon vorher ausgeführt, gilt „Truyện Kiều“ als ein Symbol für die
vietnamesische Litertur und im Land wurde in vielen Kontexten das Werk
analysiert.
Durch einen Klick mit dem Schlagwort „Truyện Kiều“ in der OPAC-
Software von der Vietnam National Bibliothek werden sofort 493 Treffer gezeigt.
Im wissenschaftlichen Diskurs um das Werk geht es um verschiedene Aspekte.
Beispielsweise wird im Buch „Thi pháp Truyện Kiều” das literarische Verfahren
der Gedichtgetaltung erörtert im Buch „Đại thi hào Nguyễn Du với Phật giáo và
đời sống xã hội” werden die Verbindungen des Autors Nguyễn Du mit Buddhismus
und der damaligen Gesellschaft. Diese Veröffentlichungen helfen Lesern beim
Verständnis dieses Werkes. Trotzdem besteht die Schwierigkeit, dass es im vorher
genannten OPAC-Programm keine Ergebnisse zur Analyse der deutschen
Übersetzung des Versromans „Das Mädchen Kiều“ gibt.
Laut Nguyễn Minh Hoàng (Quelle?) gäbe es bisher ungefähr 48 übersetzte
Versionen von „Truyện Kiều“ in 16 Sprachen der Welt. Dies bietet einen Vergleich
zwischen unterschiedlichen Übersetzungen. Auf die deutschen Übersetzer Irene und
Franz Faber, die den Versromen ins Deutsche übersetzt haben, wird auch in ein paar
vietnamesischen Büchern wie zum Beispiel in „Bác Hồ với Văn Nghệ Sĩ” (Ho Chi
Minh und Künstler) oder in „Văn hoá Đức, tiếp xúc và cảm nhận” (Berührung mit
der deutschen Kultur) hingewiesen.
1.3. Zielsetzung und Fragestellung
Im Bereich des Übersetzens gilt die literarische Übersetzung eine sehr große
Herausforderung, weil es viele unterschiedliche Faktoren im Hinblick auf Texttypen
gibt. Besonders bei der Übersetzung eines Gedichts achten die Leser nicht nur auf
den Inhalt, sondern auch auf die Form, die sprachliche Gestaltung, also auf die
Kunst der Verwendung stilistischer Sprachmittel. Die Situation der Übersetzung
„Truyện Kiều“ ist nicht anders. Obwohl „Truyện Kiều“ als ein „Großes Werk“, ein
2
Meisterwerk in der vietnamesischen Literatur betrachtet wird, geht es von einer
alten chinesischen Geschichte aus. Das bedeutet, der Plot ist nicht (viel) verändert,
Nguyễn Du benutzt sogar auch die Eigennamen der chinesischen Städte in seinem
Versroman, aber er übersetzt nicht ins Vietnamesische, sondern er schreibt auf der
Grundlage „des Materials“ aus der chinesischen Geschichte ein neues Gedicht für
seine Mitmenschen. Deswegen lassen sich die Werte eines literarischen Textes
nicht (nur) am Inhalt, sondern viel mehr an der künstlerischen Gestaltung und der
sprachlichen Handhabung des Autors erkennen.
Das Schwergewicht dieser Arbeit liegt nicht auf der Darstellung literarischer Werte,
weil in Vietnam diese Fragestellung ziemlich ausführlich untersucht sind. Diese
Arbeit
konzentriert
sich
auf
die
Übersetzungsmethoden
sowie
die
Übersetzungsverfahren von den beiden deutschen Übersetzern Irene und Franz
Faber. Das heißt, im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden die folgenden Fragen
beantwortet:
(1) Was
versteht
man
unter
dem
funktionalen
Ansatz
in
der
Translationswissenschaft?
(2) Was für Übersetzungsstrategien bzw. Übersetzungsverfahren werden von
den beiden Übersetzern verwendet?
1.4. Vorgehensweise und Methode
Nguyễn Du gilt als einer von den größten Schriftstellern in Vietnam und “Truyện
Kiều” gilt als sein größtes Werk. Dieses Werk ist bekannt für die vielfältige und
kreative Wortkunst des
Autors. Um die geniale Sprachgestaltung, also die
Sprachgewandtheit des Autors, ausführlich zu behandeln, kann man und muss man
viele Forschungsvorhaben durchführen. Die vorliegende Masterarbeit versucht, die
von
den
beiden
Übersetzern
angewendeten
Strategien
zur
Darstellung
unterschiedlicher Arten der sprachlichen Gestaltung des Autors erkennen zu lassen
und sie aus funktionaler Sicht zu erörtern. Man kann in dem Versroman „Truyện
Kiều” viele Wortnutzungsarten nennen, zum Beispiel Metapher, Metonymie,
Reduplikation usw. Aber in dieser Arbeit werden nur Metaphern untersucht, weil
3
diese Wortnutzungsarten bekannt in beiden Sprachen sind. Um den Rahmen einer
Masterarbeit nicht zu sprengen, werden zur Untersuchung die ersten 1000 Sätze des
Versromans „Truyện Kiều” gewählt, weil in diesem ersten Teil die Sprachfertigkeit
des Autors hervorragt.
Am Anfang werden metaphorische und Ausdrucksmittel in der Originalversion von
Nguyễn Du ermittelt und klassifiziert. Dann wird ein kontrastiver Vergleich mit der
Übersetzung gemacht, um die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen
dem Ausgangstext und dem Zieltext aufzuzeigen. Dabei werden die Strategien der
Übersetzer zur Wiedergabe vietnamesischer metaphorischer Sprachformen nach
dem funktionalen Ansatz z. B. von Vermeer, Reiß und Nord analysiert.
1.5. Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit besteht außer der Einleitung und der Zusammenfassung aus zwei
großen Teilen. Der erste Teil behandelt die theoretischen Grundlagen, z. B. die
verschiedenen Ansätze im translationswissenschaftlichen Diskurs in Deutschland,
besonders die funktionale Theorie, also das funktionale Übersetzen nach Nord.
Dieser Teil erklärt auch, warum die funktionale Theorie als Grundlage für den
praktischen Teil der Arbeit angewendet wird. Der zweite Teil widmet sich der
praktischen Untersuchung, in der ein Vergleich zwischen dem Original und der
Übersetzung angestellt wird, um die angewendeten Übersetzungsstrategien der
beiden Übersetzer festzustellen und sie aus funktionaler Sicht deutlich zu machen.
2. Theoretische Grundlagen
Im Vergleich zur Sprachwissenschaft hat Translationswissenschaft eine kürzere
Geschichte, obwohl Translation auch als eine alltägliche Aktivität gilt. Vor Christus
stellte man auch die erste Frage nach Translation sowie Translationsmethode.
„Little is known about the beginning of Translation; it is known only that
interpreting, i.e. the oral form of Translation, is older than its written counterpart”
(Wills 1982: 17). Es ist nicht einfach, die Herkunft der Übersetzung zu erkennen,
aber die beiden Typen von Translation, Übersetzung und Dolmetschen, sind sehr
bekannt in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. In der heutigen
4
globalisierten Welt gilt Translationstätigkeit als wichtige Dienstleistung nicht nur
für die Alltagskommunikation, sondern auch für die Zusammenarbeit in Bereichen
wie Wirtschaft und Kulturaustausch.
Deshalb kann man und darf man die Rolle der Translation nicht unterschätzen. Im
Translationsprozess haben Sprachkenntnisse und sprachwissenschaftliches Wissen
einen besonders Stellenwert.
Zwischen der Translationswissenschaft und der
Sprachwissenschaft bestehen zwar viele Gemeinsamkeiten, aber es ist für den
translationswissenschaftlichen Diskurs von Relevanz, eine deutliche Grenzlinie
zwischen den beiden Bereichen zu ziehen. In der Sprachwissenschaft handelt es
sich um den Aufbau und das Funktionieren der Sprachen, während im Normalfall
der Fokus der Translationswissenschaft auf der Erforschung von Übersetzungs- und
Dolmetschmethoden liegt, also auf der Erforschung von Verfahren zur Übertragung
sprachlicher Äußerungen von einer Sprache in eine andere.
Die Frage nach den Unterschieden und die Begrenzung zwischen Translations- und
Sprachwissenschaft ist nicht neu. Forscher im Translationsbereich zeigten, dass die
Translation außer den sprachlichen Problemen auch andere Probleme enthält. Diese
Fragestellung
wurde
Translationswissenschaft
in
der
Vergangenheit
diskutiert.
Parallel
als
mit
die
der
Kernfrage
der
Entwicklung
der
Sprachwissenschaft macht die Übersetzungswissenschaft auch Fortschritte. Viele
Forscher wie Roman Jakobson wenden die Leistungen der Linguistik auf die
Translationsforschung an.
Eine bekannte Geschichte in der Übersetzungswissenschaft ist die Geschichte von
Martin Luther, der versucht hat, die Bibel zu übersetzen. „Die Kirchen“ wollten ihre
große Rolle in der Gesellschaft natürlich verbreiten. Um dieses Ziel zu erreichen ist
von Bedeutung, die Bibel in unterschiedliche Sprachen zu übersetzen und das
Wichtigste daran ist, dass die Übersetzung wie das Original sein muss, jede
Abweichung gilt als Häresie und der Übersetzer könnten strikte Strafe bekommen.
In der Geschichte wurde der Übersetzer Etienne Dolet aufgrund eines Fehlers in
seiner Übersetzung der Bibel hinrichtet. Während der Übersetzung muss Martin
5
Luther zwischen zwei Übersetzungsmethoden sich entscheiden, eine davon ist das
Verfahren „word-by-word“, die andere ist „sense-by-sense“. Er lehnt das Verfahren
Word-by-Word ab, weil es für ihn unnatürlich ist und die intendierten Ideen nicht
wie im Original übertragen werden könnten. Diese Frage steht eine lange Zeit im
Mittelpunkt der Übersetzungstheorie und -praxis (vgl. Munday: 2009).
2.1. Entwicklung der Übersetzungstheorien
2.1.1. Jakobsons Theorie
Im Bereich der Semantik steht der Begriff des semiotischen Dreiecks, der die
Verbindung zwischen den Elementen von einem Wort bezeichnet, zur Verfügung.
Das ist die Verbindung zwischen „Inhaltswort“, „Deskriptiver Bedeutung“ und
„Denotation“. Diese Verbindung zeigt, dass die Bedeutung von einem Wort nicht
nur auf der Oberfläche von einem Wort liegt, sondern auch immer in einem
Konzept.
„Die deskriptive Bedeutung eines Inhaltswortes ist ein Konzept für seine
potenziellen Referenten.“ (Löbner 2003: 29)
Beispielsweise hat das Wort „Hund“ das Konzept von einem Tier mit vier Beinen,
einem Schwanz usw., und das Wort ist so bekannt, dass man sich das Bild davon im
Kopf vorstellen kann. Aber alle Hunde sehen nicht gleich aus, jede Hunderasse hat
ihre eigenen Eigenschaften und Merkmale, die benutzt werden, sie von den anderen
zu unterscheiden, das heißt Denotation. „Die Denotation eines Inhaltsworts ist die
Kategorie, oder Menge, aller seiner potenziellen Referenten.“ (Löbner 2003: 31). In
seinem Buch „Semantik. Eine Einführung“ weist er darauf hin: „Die Denotation
eines Wortes ist mehr als die Gesamtheit aller existierenden Entitäten dieser
Kategorie.“ Das bedeutet, es gibt immer unterschiedliche Bedeutungsmerkmale in
einem
Innenwort.
In
seiner
Theorie
benutzt
er
den
Begriff
„equivalence in difference„
Als Beispiel nennt Jakobson das Wort „cheese“ in Englisch und das Wort „сыр“ in
Russisch, um seine Theorie zu belegen. Nach Jakobson gibt es in zwei Kulturen die
kognitiven Unterschiede in der Bedeutung der vorher genannten Wörter. Im
6
Englischen stehen auch die anderen Typen von Käse („cheese“) zur Verfügung, die
im Russischen nicht vorhanden sind. Deswegen verursacht das auch die Probleme
beim Übersetzen, weil die Engländer mit dem Wort „cheese“ etwas Anderes als die
Russen mit dem Wort „сыр“ meinen. Die Übersetzer müssen sich in die konkrete
Gesprächssituation versetzen, um die genaue Bedeutung vom Wort „cheese“ oder
„сыр“ zu verstehen und zu übersetzen. „We understand these words and know in
what contexts each of them may be used” (Venuti 2001: 113), Jakobson betont die
Rolle des Kontextes und er zeigt auch noch ein Beispiel vom Wort „bachelor“ mit
unterschiedlichen Bedeutungen und die Frage nach Übersetzungsmöglichkeiten zu
stellen. In seiner Theorie werden drei Arten/Typen der Übersetzung dargestellt:
intralinguale Übersetzung (intralingual translation), interlinguale Übersetzung
(interlingual
translation)
und
intersemiotische
Übersetzung
(intersemiotic
translation).
„Intralinguale translation or rewording is an interpretation of verbal signs by
means of other signs of the same language.“. Die Sprachen bleiben nicht konstant,
sondern sie wandeln sich schnell. Im Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung
sind mehr und mehr neue Ausdrücke zur Bezeichnung von neuen Erscheinungen
entstanden.
Sachverhalt
Beispielsweise benutzt man Metapher und Metonymie, um einen
bildhafter
auszudrücken.
Das
verursacht
viele
Verstenhensschwierigkeiten, Problemein der Rezeptiongsphase. Diese Probleme
beeinträchtigen die Übersetzungsqualität, wenn der Übersetzer nicht gut das
ausgangssprachliche
und
–kulturelle
Gemeinte
versteht.
In
der
übersetzungsvorbereitenden Phase, also in der Phase der Ausgangstextanalyse muss
der Übersetzer den Ausgangstext interpretieren und dann kann er ihn in die
Zielsprache übertragen. Es gibt zwei mögliche folgende Probleme:
+ Der Übersetzer versteht eine Übersetzungseinheit nicht, also er versteht die
ausgangssprachliche Mitteilung nicht.
7
+ Der Übersetzer versteht das ausgangssprachliche Gemeinte, aber kann dafür
keinen entsprechenden zielsprachlichen Ausdruck finden.1
Im Fall, dass der Übersetzer die ausgangssprachliche Mitteilung versteht, soll er
einen synonymischen Ausdruck aus der Zielsprache und –kultur finden bzw. einen
neuen schaffen. In der Realität bestehen für einen ausgangssprachlichen Ausdruck
vielleicht viele Entsprechungen. Die Kommunikationssituation gibt uns Übersetzern
Hinweise darauf, welche synonymische Entsprechung, also welche Annäherung, in
Frage kommen kann und soll. Jakobson ist auch der Auffassung: „yet synonymy, as
a rule, is not complete equivalence “(Venuti 2001: 114).
In der vorliegenden Masterarbeit handelt es sich vor allem um die intersprachliche
Translation, also um die interlinguale Translation: “Interlingual translation or
translation proper is an interpretation of verbal signs by means of some other
language.” (vgl. Jakobson, zitiert nach Venuti 2001: 114). Im Zentrum der
Übersetzungstätigkeit geht es zuerst um Lösungen für Verstehensprobleme für die
Kommunikationsteilnehmenden aus unterschiedlichen Gemeinschaften. Am besten
findet man ein “absolutes“ Äquivalent in der Zielsprache, aber es geht nicht immer
gleich, weil, wie vorher ausgeführt, ein Ausdruck in der Ausgangssprache viele
Bedeutungsmerkmale haben kann. Und um einen zielsprachlichen Ausdruck zu
finden, der allen ausgangssprachlichen Bedeutungsmerkmalen entspricht, ist keine
einfache Arbeit. In vielen Situationen ist das sogar unmöglich. Diese Theorie von
Jakobson zeigt, dass es bei der Übersetzungstätigkeit nicht nur um das Wort-fürWort-Verfahren geht und es ‚das‘ absolute Übersetzungsangebot nicht gibt. Diese
Ansicht vertritt auch Koller, wenn er sagt, dass es nicht ‚die‘ Übersetzung gibt:
„Deshalb kann es ‚die‘ Übersetzung nicht geben, und die vorliegenden oder
möglichen Übersetzungen eines Textes stellen nur Annäherungen, Teil-Bilder des
Originaltextes dar.“ (Koller 2004: 57).
1
In der Fachliteratur redet man von der so genannten Unübersetzbarkeit. Für viele Übersetzungstheoretiker
und –praktiker kann man alles übersetzen, also sie sind der Ansicht, dass der Übersetzer immer eine
zielsprachliche Ausdrucksmöglichkeit für einen ausgangssprachlichen Ausdruck finden kann, der die
Botschaft in einer konkreten Kommunikationssituation zum Ausdruck bringt.
8
2.1.2. Nidas Theorie
Die erste gemeinsame Ansicht zwischen Nida und Jakobson ist, dass die beiden
Forscher zustimmen, es gibt kaum die absolute Äquivalenz zwischen Sprachen.
Obwohl zwei Wörter in zwei Sprachen die gemeinsame Bedeutung haben, sind aber
die Wirkungen von jedem Wort nicht ähnlich. „Whoever takes upon himself to
translate contracts a debt; to discharge it, he must pay not with the same money,
but the same sum.” (Nida, zitiert nach Venuti 2001: 126). In diesem Kontext kann
man darunter verstehen, dass „a debt“ hier Übersetzungsauftrag bedeutet, Es gibt
bestimmte Anzahl der Wörter, grammatische Strukturen usw., und auch Intention
vom ausgangssprachlichen Verfasser. Der Übersetzer kann kaum alles gleich in der
Zielsprache wiedergeben, weil es immer die Unterschiede der sprachlichen
Eigenschaften zwischen zwei Sprachen gibt. Um eine Botschaft in der Zielsprache
zu erklären, braucht der Übersetzer in vielen Fällen mehr als, was er im
Ausgangstext hat.
Für diese Unterschiede sind nach Eugene Nida die drei grundlegenden Faktoren in
Übersetzung verantwortlich: (1) die Natürlichkeit der Botschaft, (2): der Zweck der
Übersetzung oder die Absicht vom Autor und vom Übersetzer und (3) der Typ vom
Publikum. (vgl. Venuti 2001: 127). In seiner Theorie wird gezeigt, dass es auch die
anderen Faktoren außer sprachlichen gibt und sie großen Einfluss auf die
Übersetzungstätigkeit, also auf die Übersetzungsentscheidungen haben.
(1) Die Natürlichkeit der Botschaft: in diesem Punkt betont Nida die Verbindung
und die Rolle von Form und Inhalt. Die Verbindung zwischen Form und Inhalt wird
nicht getrennt, weil die beiden Elemente sich bei der Produktion bzw. Reproduktion
eines Textes unterstützen. In der Übersetzungspraxis spielt in vielen Fällen die
inhaltliche Wiedergabe eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist, dass man
passende Ausdrücke findet. Umgekehrt kann man einen Text nicht gut verstehen,
wenn der Text inhaltlich nicht gut formuliert wird. „But in some messages the
content is of primary consideration, and in others the form must be given a higher
priority.” (Venuti 2001: 127). Beispielsweise muss der Inhalt von einem Vertrag
9
die erste Stelle einnehmen, weil der Inhalt des Vertrags im Mittelpunkt des Handels
von zwei Firmen steht. Andernfalls, wenn ein Lied übersetzt werden muss, legt man
weniger Wert auf Inhalte, sondern mehr Wert auf die Form, weil das Ziel darin
besteht, das Lied in der Zielsprache singen zu können.
(2) Der Zweck oder die Absicht des Autors und des Übersetzers spielen wichtige
Rolle bei der Übersetzung. Autor (oder Verfasser) und Übersetzer, im Fall von zwei
unterschiedlichen Personen, sind zwei eigene Identitäten. Wenn er einen Text
schreibt, hat der Autor seine eigene Intention, die nur von ihm ganz klar verstanden
werden kann. In dem Roman „Die Liebhaberinnen“ von der österreichischen
Autorin Jelinek gibt es viele Rechtschreibungsfehler, die man sehr leicht erkennt,
beispielsweise hat Jelinek „2(fast) alles kleingeschrieben“. Dafür hatte sie natürlich
ihre Gründe. Warum hast sie so gemacht? Und warum war das Buch auch schon
publiziert, wenn es so große Fehler enthält? Und wie soll sich der Übersetzer in
diesem Fall verhalten? Ich glaube, das ist verständlich, wenn der Übersetzer seine
Übersetzung etwas bearbeitet sowie diese Fehler korrigiert, weil diese Fehler die
Unannehmlichkeit beim Lesen verursachen könnten. Aber Übersetzer Le Quang
meint anders. In seiner Übersetzung des Romans von Jelinek hat er auch wie die
österreichische Autorin kleingeschrieben, um die „eigenen Merkmale“ von der
Autorin, die man respektieren soll, zu reflektieren.
(3) Der Typ vom Publikum: In der Theorie von Nida erscheint der Begriff
„Decoding ability“, es geht um die Verstehensfähigkeit von verschiedenen
Empfängergruppen, also von unterschiedlichen Rezeptionsstufen. Nida zeigt vier
Niveaus davon. „(1) the capacity of the children […]; (2) the double-standard
capacity of new literates […] (3) the capacity of the avarage literate adult […]; the
unusually high capacity of specialists.” (Venuti 2001: 128). Die erste Stufe ist die
Fähigkeit von Kindern, die keinen großen Wortschatz und nicht genug
Hintergrundkenntnisse haben. Die zweite Stufe ist eine Person, die die mündlichen
2
/>(Zugriff: 29.11.2018)
10
Botschaften „dekodieren“ kann, aber ihre Fähigkeit ist nicht genug, die
schriftlichen Botschaften alles ganz genau zu verstehen. Die dritte Gruppe ist ein
normaler Erwachsener, der die beiden mündlichen und schriftlichen Botschaften
versteht und die letzte ist beispielsweise ein Forscher, der in seinem fachlichen
Bereich „dekodieren“ kann. Wenn man ein Buch für Kinder übersetzt, kann man
nicht die Wörter für die Forscher benutzen, also keine Fachwörter. Nach Nida spielt
die Rezeptionsfähigkeit der Leserschaft eine wichtige Rolle. Es geht nicht nur um
die vorher genannte Dekodierungsfähigkeit, sondern auch um das Interesse sowie
auch die Erwartungen von ihnen. Zu Ho Chi Minhs Lebzeiten stellte er bei Treffen
mit Journalisten die Fragen wie, für wen und warum man einen Text schrieb.
Aufgrund des Zwecks und der intendierten Rezipientengruppe soll man dann
entscheiden, was und wie geschrieben wird. Aus den Fragen, die Ho Chi Minh an
die Journalisten richtete, kann man entnehmen, dass Ho Chi Minh die Leserschaft
für sehr wichtig hält. Der bekanntw chinesische Übersetzer Nghiêm Phục (18531921) war auch dieser Auffassung. In seiner Übersetzung des Buches „Evolution
and Ethics“ (Thiên Diễn luận) versuchte er, so zu formulieren, dass alle Chinesen
die im Buch dargestellten Ideen verstehen konnten (vgl. Cát 2004: 656). Diese
Meinung geht ähnlich wie die funktionale Theorie, die von den deutschen Forschern
kommt und später dargestellt wird. Nida erwähnt zwei Typen von Äquivalenz das
sind formale Äquivalenz (formal equivalence) und dynamische Äquivalenz
(dynamice quivalence).
Bei der formalen Äquivalenz konzentriert man sich auf zwei Seiten, die Inhalts- und
Formseite, das bedeutet, der Ausgangstext und der Zieltext haben eine so enge
Verbindung zwischen den
Konzepten (vgl. Venuti 2001:129). Bei dieser
Translation muss man jedes Wort, jeden Satz übertragen und übersetzen, aber die
Leser brauchen viele Erklärungen durch Fußnoten oder einen Exkurs dafür, um den
Text ganz genau zu verstehen. Ein Vorteil von dieser Äquivalenz ist, dass die Leser
besser den Ausgangstext verstehen können, aber es kostet sie sehr viel Zeit
nachzuschlagen.
11
Bei der dynamischen Äquivalenz geht es um „das Prinzip der Äquivalenzwirkung“,
das bedeutet, es handelt sich nicht um die Verbindungen zwischen Ausgangs- und
Zieltext, dabei sind die Reaktionen von den zielsprachlichen Lesern besonders zu
beachten. Das Ziel davon ist, dass die Leser in der Zielsprache eine gemeinsame
Reaktion wie die Leser in Ausgangssprache haben. Deshalb braucht man die
natürlichen Wortnutzungen oder Äußerungen, damit die Leser in Zielsprache das
Konzept im Kontext der Zielkultur verstehen können. (vgl. Venuti 2001:129). Zu
diesem Punkt weist Nida ein „System von Prioritäten“ auf:
1) kontextgemäße Übereinstimmung ist wichtiger als wörtliche Übereinstimmung;
2) dynamische Gleichwertigkeit ist wichtiger als formale Übereinstimmung; 3) die
fürs Ohr bestimmte Form der Sprache hat Vorrang vor der geschriebenen; 4)
Formen, die von den vorgesehenen Hörern der Übersetzung gebraucht und
anerkannt werden, haben Vorrang vor traditionellen Formen, auch wenn diese
größeres Ansehen genießen (Nida/Taber 1969: 13 zitiert nach Stolze 2008: 88).
Ein Beispiel für die dynamische Äquivalenz ist die Übersetzung des
vietnamesischen Dichters Tố Hữu „Đợi anh về“ (Warte auf mich). Das wird von
einer französischen Übersetzung übersetzt, obwohl das Original im Russischen von
Simonov geschrieben wurde. Man kann die Qualität der vietnamesischen
Übersetzung im Vergleich vom russischen Original nicht bewerten, weil es von
einer Übersetzung übersetzt wird (zweimal übersetzt). Aber wenn man das Original
mit der französischen Übersetzung vergleicht, gibt es auch Unterschiede. Das
Gedicht handelt von Traurigkeit einer Frau, die auf ihren Mann in der Kriegszeit
wartet, und es geht auch um die Hoffnung auf seine Rückkehr, auf ein Wiedersehen
mit ihrem lieben Mann, also auf den Frieden. Diese Botschaft wird auch in der
Übersetzungsversion übertragen, aber wie man das überträgt, ist es unterschiedlich
in verschiedenen Sprachen.
Original (Russisch)
Französisch
Vietnamesisch
Ждименя!
Attends-moi!
Đợi anh về
12
Im Original sowie der französischen Übersetzung benutzt man die ImperativFormen. Imperativ im Russischen und Französischen wird durch eine Veränderung
der Verbsform realisiert. Wenn man Imperativ ins Vietnamesische übersetzt,
benutzt man normalerweise das Wort „hãy“ als die Form des Imperativs im
Vietnamesischen. Aber hier kommt das Wort „hãy“ nicht vor, Hier ist vielleicht ein
unsicheres Gefühl des Schreibers, des Dichters. Vielleicht ist er auch nicht sicher,
dass der Soldat zurückkommen kann. Außerdem klingt der vietnamesische Titel
also sanft, zärtlich, also nicht wie eine Aufforderung für die Frau.
Original (Russisch)
Französisch
Vietnamesisch
Жди меня, и я вернусь.
Si tu m'attends, je reviendrai,
Em ơi đợi anh về
Только очень жди,
Mais attends-moi très fort.
Đợi anh hoài em nhé
Жди, когда наводят
Attends, quand la pluie jaune
Mưa có rơi dầm dề
грусть
Apporte la tristesse,
Ngày có dài lê thê
Желтые дожди,
Attends quand la neige
Em ơi em cứ đợi.
Жди, когда снега метут,
tournoie,
Dù tuyết rơi gió nổi
Жди, когда жара,
Attends quand triomphe l'été
Dù nắng cháy em ơi
Жди, когда других не
Attends quand le passé
Bạn cũ có quên rồi
ждут,
s'oublie
Đợi anh về em nhé!
Et qu'on attend plus les autres.
Diese Unsicherheit wird noch einmal in der vietnamesischen Übersetzung
dargestellt. Im Original sowie in der französischen Übersetzung spürt man als Leser
eine Sicherheit darüber, dass der Soldat zurückkommt („и я вернусь“ und „je
reviendrai“). In der vietnamesischen Übersetzung ist das nicht der Fall. Außerdem
benutzt man keine starken Wörter wie „Только очень“ oder „très fort“ in der
vietnamesischen Übersetzung, sondern man benutzt ein Adverb „hoài“ mit der
Bedeutung eines langen, geduldigen und vielleicht ewigen Wartens. Man verwendet
auch keinen Ausdruck für eine Trübsal. Stattdessen kommen zwei Reduplikationen
„dầm dề“ und „lê thê“ zur Hervorhebung einer melancholischen Stimmung ins
Spiel. Trotz vieler Unterschiede der Wortnutzung verändert sich die Funktion des
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Ausgangstextes nicht. Die vietnamesischen Leser fühlen auch die Traurigkeit, die
die Russen auch hätten. In diesem Fall ist es deutlich geworden, dass die Kreativität
des Übersetzers, welche
Nida dynamischen Äquivalenz nennt, einen besonders
großen Stellenwert beim Literaturübersetzen hat.
Nach Nidas Modell gibt es drei Phasen in der Übersetzung oder im
Übertragungsprozess: Analysephase, Transferphase und Synthesephase. Nida und
Taber benutzen die folgende Darstellung (vgl. Stolze 2008: 89):
A (Ausgangstext) Analyse
x
B (Endergebnis) Synthese
Übertragung
y
2.1.3. Die Theorie des Texttypes von Reiss
Katharina Reiss vertritt die Ansicht, dass jeder Text die eigene Funktion hat und es
drei Texttypen gibt: „den inhaltsbetonten“, den „formbetonten“ und den
„appellbetonten“ (Stolze 2008: 112). Obwohl ein Texttyp viele Eigenschaften
erhält, hat er eine eigene Hauptfunktion, die wichtiger als die anderen Funktionen
sind. Beispielsweise hat eine Rede die Funktion, die Hörer von etwas zu
überzeugen, trotzdem gibt es auch viele Informationen darin, aber die
Hauptfunktion von dieser Rede ist nicht zu informieren.
Aufgrund der
Texteigenschaften und –merkmale kann man die oben genannten drei Texttypen
wie folgt klassifizieren:
1) Informativer Texttyp (sachorientiert): Textsorten Bericht, Aufsatz, Urkunde,
Gebrauchsanweisung, Kommentar, Sachbuch;
2) Expressiver Texttyp (senderorientiert): Textsorten Roman, Novelle, Lyrik, Schauspiel,
Komödie, Lehrgedicht, Biographie;
3) Operativer Texttyp (verhaltensorientiert): Textsorten Predigt, Propaganda, Reklame,
Demagogie, Pamphlet, Satire, Tendenzroman, Kommentar, usw. (Stolze 2008: 113)
Unter dem inhaltsbetonten Text kann man verstehen, dass „das Hauptgewicht auf
die Vermittlung von Inhalten, von Informationen liegt.“ (Stolze 2008: 113). Das
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bedeutet, der informative Texttyp konzentriert sich auf die Darstellung und die
Logik des Textes. Der Empfänger will die Informationen empfangen, deshalb
müssen die Information in einer guten Reihenfolge dargestellt werden, damit der
Empfänger genügend Informationen zur Verfügung bekommt.
Währenddessen erwartet der Leser die Gefühle, die Emotionen durch die Wörter
von dem Autor, wenn er einen expressiven Text liest. Obwohl die Informationen
eine große Rolle in einer Geschichte spielen, braucht der Leser die Prioritäten zu
setzen. Die Hauptfunktion eines expressiven Textes besteht darin, die Gefühle zu
äußern. Daraus werden die Fragen nach der Treue oder Loyalität im Vergleich zum
Ausgangstext gestellt, die später dargestellt werden.
Der operative Text konzentriert sich auf die Reaktionen der Empfänger. Wenn man
beispielsweise eine Werbung produziert, beabsichtigt man, so zu formulieren, dass
ein Produkt verkauft werden kann, deshalb muss der Text (in der Bedeutung von
´signal´) attraktiv sein, also in der Fachliteratur ist von der Appellfunktion eines
operativen Textes die Rede.
Für jeden Texttyp mit unterschiedlichen Eigenschaften braucht man als Übersetzer
anpassende Übersetzungsmethoden. In der Fachliteratur kann man andere Begriffe
wie Übersetzungsverfahren oder Übersetzungsstrategie usw. nennen.), mit anderen
Worten bestimmen also nach Reiß die Funktionen des Textes und der Übersetzung
die Übersetzungsmethoden. Hier wird die Pluralform des Wortes „Funktion“
erwähnt, weil ein Text viele Funktionen erhalten kann. Hierzu nennt Reiß den
Texttyp „Kommentar“ als Beispiel. Ihnen ordnet sie sowohl dem informativen
Texttyp als auch dem operativen. Warum schreibt man einen Kommentar?
Natürlich will er etwas kommentieren sowie seine persönlichen Meinungen zu
einem Sachverhalt äußern. Aber geht es nur darum oder verfolgt man hier noch
einen anderen Zweck? Ich glaube, dass er auch die anderen, die seinen Kommentar
lesen, von seiner Ansicht überzeugen wollte. Er hofft, dass er durch seinen
Kommentar die Leser bewirkt, etwas zu machen. Das heißt, sein Text erhält außer
der Informationsfunktion auch die Appellfunktion. Um die anderen zu überzeugen,
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kann der Übersetzer auch die anderen Informationen benutzen, die vielleicht für die
Leser neu sind. Das heißt, beim Übersetzen eines Kommentars handelt es sich nicht
nur um Informieren, sondern auch Appellieren.
Daraus kann man Folgendes schlussfolgern: Zuerst kann man Texte klassifizieren.
Zur Bestimmung der Textfunktion bzw. Textfunktionen sind verschiedene
Einflussfaktoren zu beachten. Die Analyse der Funktion vom Ausgangstext trägt
teilweise dazu bei, angemessene Übersetzungsmethoden herauszufinden. Im
Folgenden wird der Zusammenhang zwischen Textfunktion und Übersetzungsmethode dargestellt.
Texttyp
Textfunktion
Kennzeichen
Äquivalenz-
Übersetzungs-
Maßstab
methode
(Primär-
funktion)
1.
Vermittlung
sachorientiert
Invarianz
auf sachgerecht
(=
informativ
von
der
„schlichtprosaisch“
Information
Inhaltsebene
)
2.
künstlerisch
senderorientier
Analogie
expressiv
e Aussage
t
künstlerischen „identifizierend“)
der autorgerecht
(=
Gestaltung
3. operativ
Auslösung
verhaltens-
Identität des
appellgerecht (=
von
orientiert
textimmanente
„parodistisch“
n Appells
später:
Verhaltens-
„adaptierend“)
impulsen
4.
(1-3)
(1-3)
(1-3)
medien- bzw.
audiomedia
verbundgerecht (=
l
„suppletorisch“
2.1.4. Skopostheorie und die funktionale Übersetzungstheorie
Der Begriff „Skopos“ auf Griechisch bedeutet ´Ziel´ oder ´Zweck´, das heißt, die
Skopostheorie
konzentriert
sich
auf
das
Ziel
oder
den
Zweck
der
Übersetzungshandlung. Warum und wofür übersetzt man einen Text? Die
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Übersetzung nach der Skopostheorie ist keine Übertragung ohne Funktion und „die
Dominante aller Translation ist deren Zweck. […] In diesem Sinne heißt die
funktionale Translationstheorie auch „Skopostheorie“ (Stolze 2003: 172). „Der
Zweck einer Translationshandlung definiert sich aus der kommunikativen Situation,
für die das Produkt, die Übersetzung oder Verdolmetschung, bestimmt ist und die in
Form eines Übersetzungsauftrags beschrieben sein kann.“ (Nord 1993: 9).
Diese Theorie betont die wichtige Rolle von den zwei folgenden Faktoren, das sind:
die kommunikativen Funktionen des Textes (oder Textfunktion) und die
Empfänger/Empfängererwartung.
In dieser Theorie steht die Situation, nämlich die kommunikative Situation im
Mittelpunkt. Bevor etwas übersetzt wird, muss der Zweck der Übersetzung
klargestellt werden. Das heißt, ein Text „erhält“ seine eigene(n) Textfunktion(en)
und der Verfasser hat auch seine eigene Intention (Nord 1993: 9). Die
kommunikative Situation gilt für Nord als ein wichtiges Element für die
Übersetzung. Unter Textfunktion kann man „die kommunikative Funktion bzw. die
Kombination aus den kommunikativen Funktionen eines Textes in seiner konkreten
(Rezeptions)-Situation“
verstehen.
Wenn
die
Intention
von
Sender
den
Empfängererwartungen entspricht, hat man „den Idealfall einer geglückten
Kommunikationshandlung“ (Nord 1993: 11).
Aber ein Text erhält nicht nur eine Funktion, sondern „höchst komplexes Gefüge
von hierarchisch angeordneten Funktionen und Subfunktionen“ (Nord 1993: 11).
Diesem Standpunkt stimmt Jeremy Munday zu, er weist in seinem Buch
„Introducing Translation Studies“ hin, dass ein Text nicht immer eine reine
Funktion hat, sondern er verschiedene Funktionen im verschiedenen Fall „erhält“.
Er nennt Beispiele von Gedicht: Ein Gedicht gehört zum expressiven Text, weil
sein Schwerpunkt auf der sprachlichen Ausdrucksfunktion liegt; referentielle
Dokumente zum informativen Text; Rede und Werbung zum operativen Text, mit
dem versucht wird, jemanden zu überzeugen etwas zu tun. Darüber hinaus gibt es
in der Praxis noch andere Texttypen, die in der Fachliteratur als Mischtypen
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bezeichnet werden.
Trotzdem
stellt Munday (2009: 122) auch fest, dass ein
Translat nicht immer der dominierenden Funktion vom Ausgangstext folgt ,
beispielsweise hat eine Übersetzung einer Rede von US-Präsident Donald Trump
die informative Funktion als dominierende Funktion, wenn diese Rede ins
Vietnamesische und für Vietnamese übersetzt wird, weil die Vietnamesen nicht an
den amerikanischen Wahlkampf teilnehmen und sich nur für die Politik von den
USA interessieren. Aber in den USA erhält diese Rede eine operative Intention,
weil der amerikanische Präsident durch seine Rede mehr Stimmen von den Wählern
bekommen will.
Außer den zwei vorher genannten Hauptfaktoren gibt es unterschiedliche
Einflusselemente für die Übersetzungsmethoden beispielsweise Zeit, Raum, Kultur
usw., und sie verursachen eine Barriere bei der Übersetzung ( Nord 1993: 11).
Deshalb redet man von Überzetzungsschwierigkeiten und von der sogenannten
Nichtübersetzbarkeit.
Um diese Probleme zu lösen, soll man auch die oben
genannten Elemente genau wissen, also eine ausführliche Analyse des
Übersetzungsauftrages und des Ausgangstextes spielt hierbei eine besonders
wichtige Rolle, die man in der Praxis oft unterschätzt.
Die Frage „von wem der Translationszweck bestimmt wird?“ ist in der
Funktionstheorie gestellt. Eine angemessene Antwort auf diese Frage kann der
Übersetzer „aus dem Auftrag eines Kunden oder Auftraggebers“ entnehmen,
hinsichtlich dessen Nord „Initiator“ nennt. Das heißt, ein Übersetzungsauftrag
umfasst den Initiator, Rezipienten(kreis), Zweck, räumliche und zeitliche
Rezeptionsbedingungen (Nord 1993: 14). Obwohl der Übersetzer eigentlicher
Übersetzungsentscheidungsträger
Einflussfaktoren
und
die
am
ist,
muss
er
allen
Übersetzungsprozess
oben
genannten
Beteiligten
große
Aufmerksamkeit schenken.
Aus diesem Grund soll man den Übersetzungsauftrag und den Ausgangstext immer
in der ersten Phase analysieren. Die zur Textfunktion gehörenden Elemente,
beispielsweise „Sender/Senderolle, Senderintention, Empfänger/Empfängererwartung,
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