Tải bản đầy đủ (.pdf) (16 trang)

EGRETTA, VOGELKUNDLICHE NACHRICHTEN AUS ÖSTERREICH VOL 48-1-2-0019-0034

Bạn đang xem bản rút gọn của tài liệu. Xem và tải ngay bản đầy đủ của tài liệu tại đây (2.01 MB, 16 trang )

©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
EGRETTA 48/1-2

19

Egretta48: 19-34(2005)

Die Situation des Mittelspechts (Dendrocopos medius)
in Wien
Gabor W i c h m a n n und Georg Frank

W i c h m a n n , G. & G. Frank (2005): The Middle Spotted Woodpecker (Dendrocopos medius) in Vienna (Austria). Egretta 48:19-33.
A survey on the Middle Spotted Woodpecker (Dendrocopos medius) was conducted
in Vienna in 2001. 29 study plots were investigated in mixed deciduous forests,
each plot approximately 150 ha in size. A total of 173 territories were located within
these 3873 ha. The overall densities ranged from 0.30 territories/10 ha in the Lobau and 0.99/10 ha in the Prater, which are both floodplain forests of the Danube.
In the Vienna Woods, which are dominated by oaks (Quercus sp.), beech (Fagus
sylvatica) and hornbeam (Carpinus betulus), we found a density of 0.46 territories/10 ha. The occurrence of the species was found to correlate with old stands
and with the number of trees with rough bark. In the Vienna Woods, more than 90
% of territories were found in forests stands with an age of at least 80 years and
dominated by oaks, pines (Pinus sp.) and alder (Alnus sp.). In contrast, there was
no significance difference in the amount of dead wood, crown closure, tree density
and tree diameter between territories and control points.
Keywords: Dendrocopos medius, Middle Spotted Woodpecker, ecology, habitat
structure, density, forest management, Vienna.

1. Einführung
Der Mittelspecht ist ein europäisches Faunenelement, dessen Brutareal auf die
westpaläarktische Laubwaldzone beschränkt ist. In Österreich kommt die Art vor
allem in den eichenreichen Laub- und Mischwäldern sowie in den Auwaldgebieten
im pannonisch geprägten Osten des Landes vor (Dvorak et al. 1993, Berg 1997).


Nach starken Bestandsrückgängen in den letzten Jahrzehnten in Folge forstlicher
Intensivierungsmaßnahmen (Jenni 1983, Bauer & Berthold 1996, Pasinelli
2003) wird aktuell der Bestand der Art als stabil eingestuft (BirdLife I n t e r n a t i o nal 2004), aus Deutschland und den Beneluxländern liegen auch positive Bestandstrends vor (Zusammenstellung in Südbeck & Flade 2004). Basierend auf
neueren Untersuchungen, die unter den Vögeln den Mittelspecht als beste Indikatorart für Tieflandbuchenwälder ausweisen (Winter et al. 2005) und die hohe Lebensraumqualität uralter Buchenbestände für den Mittelspecht herausstreichen,


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
2Q

EGRETTA 48/1-2

muss das derzeitige Verbreitungsareal in Österreich jedoch ebenfalls als reliktär
bezeichnet werden.
Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde im Auftrag der Wiener Magistratsabteilung für Umweltschutz (MA 22) eine Bestandserfassung des Mittelspechtes in Wien
durchgeführt und die artspezifischen Häbitatansprüche erhoben. Basierend auf
diesen Daten wurden Grundlagen für ein Artenschutzprojekt ausgearbeitet.

2. Untersuchungsgebiet
Mit etwa 75 km2 wird fast ein Fünftel Wiens von Wäldern bedeckt. Die größten
zusammenhängenden Waldflächen sind die Auwälder der Donau sowie der Wienerwald, der sich größtenteils auch auf das Bundesland Niederösterreich erstreckt.
Der Wiener Anteil umfasst eine Fläche von etwa 54 km2 und gehört zum Flyschoder Sandstein-Wienerwald. Gegenüber dem Kalkwienerwald ist die Landschaft
deutlich sanfter und der Boden tiefgründiger. Der Baumbestand wird fast ausschließlich durch Laubhölzer gebildet, wobei Eiche (Quercus sp.), Buche (Fagus
sylvatica) und Hainbuche (Carpinus betulus) dominieren. Die Eiche ist mit einem
Anteil von 42 % auf Wiener Landesfläche deutlich stärker vertreten als im gesamten
Wienerwald, wo sie nur etwa 10 % der Fläche bestockt. Die Buche ist mit einem
Anteil von 30 % vertreten. Mit einem Flächenanteil von 25 % stellt die Hainbuche
die dritthäufigste Baumart des Wiener Wienerwaldes dar.
Entlang der Donau finden sich mehrere teils nur mehr reliktär erhaltene, ehemals
zusammenhängende Auwälder. Am rechten Ufer der Donau sind dies der Prater mit
einer Ausdehnung von etwa 500 ha und die Alberner Au mit etwa 65 ha. Am linken

Ufer befindet sich die Lobau mit einer Flächenausdehnung von etwa 2300 ha. Der
Prater und die Alberner Au werden von Esche (Fraxinus excelsior), Pappeln, Eichen
und Weiden dominiert. Die Lobau ist ein Teil des Nationalparks Donau-Auen und
mit etwa 1.500 ha ist der größte Teil von Wald bedeckt. Die Baumartenzusammensetzung des Gebiets ist ausgesprochen divers. Am weitesten verbreitet ist die Silberpappel, die einen Anteil von 25 % erreicht. Auf 15 % der Fläche ist die Esche
und auf 9 % Hybridpappeln (Populus x canadiensis) zu finden. Hartriegel (Cornus
sp.), Weißdorn (Crataegus sp.) und Schwarzpappel (Populus nigra) erreichen je
einen Anteil von 7 %. Seit der Gründung des Nationalparks Donau-Auen wird in den
Waldflächen der Lobau keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr betrieben. Auf 438
ha Waldfläche wird eine nationalparkkonforme Bestandsumwandlung durchgeführt,
um eine naturnahe Baumartenzusammensetzung wiederherzustellen.

3. Methode
Die Erfassung des Mittelspechtbestands erfolgte im Jahr 2001 mittels Revierkartierung (Bibby et al. 1992). Es wurden 29 Probeflächen mit einer Ausdehnung von 1
km x 1,5 km (150 ha) jeweils einmal im April und Mai begangen. Geschlossene


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2

21_

Siedlungsgebiete oder außerhalb des Wiener Stadtgebietes gelegene Teile der
Probeflächen wurden weggelassen. Dadurch ergibt sich eine Untersuchungsfläche
von 3.873 ha, dies entspricht etwa 45 Prozent der gesamten Waldfläche Wiens.
Weitere potentiell für den Mittelspecht geeignete Lebensräume wie Parks oder
Gartensiedlungen wurden nicht gezielt untersucht, jedoch durch Erhebungen zum
Wiener Brutvogelatlas (Wichmann & Dvorak 2003, Archiv BirdLife Österreich)
abgedeckt.
Auf Basis der Revierkartierung sowie der Daten einer innerhalb der Erfassungsperiode beinahe flächig durchgeführten Begehung im Zuge einer Punkttaxierung wurden für die Untersuchungsflächen Papierreviere ermittelt (Bibby et al. 1992). Aufgrund der geringen Anzahl der Kartierungsdurchgänge wurde jeder Nachweis eines

revieranzeigenden Mittelspechtes sowie alle Bruthinweise bzw. -nachweise als
Revier gewertet. Randreviere wurden dabei als „halbe Reviere" berücksichtigt. Die
rationalisierte Kartierungsmethode mit nur zwei Begehungen, die sich für die großflächige Erfassung von Spechten gut bewährt hat (u. a. Frank 2002), ermöglicht
aufgrund der vergleichsweise wenigen Beobachtungsdaten eine klare Abgrenzung
der Papierreviere. Da aufgrund der Größe der Untersuchungsflächen Reviere übersehen werden können, wurde für die Berechnung des Minimal- und Maximalbestands ein Korrekturfaktor eingeführt. Zur Kalkulation des Erfassungsfehlers
wurde die Anzahl der nur während der Punkttaxierung zusätzlich zur Revierkartierung nachgewiesenen Reviere durch die Gesamtzahl der Reviere dividiert. Der
hochgerechnete Bestand für die einzelnen Teilflächen (Lainzer Tiergarten, Wienerwald exkl. Lainzer Tiergarten, Lobau, Prater und Alberner Au) wurde mit diesem
Faktor multipliziert. Dieser Wert stellt nun die Schwankungsbreite des hochgerechneten Bestandes dar und ermöglicht die Kalkulation eines Minimal- bzw. Maximalbestands. Bei der Erstellung der Verbreitungskarten und der Kalkulation der Siedlungsdichten wurden neben den Daten der Revierkartierung und der Punkttaxierung
auch alle aktuellen Streudaten aus dem Archiv von BirdLife Österreich und die im
Zuge der Kartierungsarbeit für den Wiener Brutvogelatlas erhobenen Daten berücksichtigt.
Die Auswertung hinsichtlich der Habitatansprüche und -Präferenzen erfolgte auf
Basis von Strukturdaten, die an 39 zufällig ausgewählten MittelspechtBeobachtungspunkten erhoben und mit 258 Kontrollpunkten verglichen wurden. Um
Pseudoreplikation zu vermeiden, wurde pro Revier maximal ein Beobachtungspunkt
vermessen. Die Aufnahme der Strukturparameter erfolgte nach den bei der Waldinventur der MA 49 angewandten Methoden (Eckmüller et al. 2001). Dementsprechend wurden der Kronenschlussgrad und die Anzahl stehender Totholzstämme in
einem Probekreis mit einem Radius von acht Metern ermittelt. Die Anzahl der stehenden Totholzstämme wurde unabhängig von deren Stammdurchmesser ausgezählt. Der Kronenschlussgrad wurde im Gegensatz zur Waldinventur mit Hilfe eines
Okulartubus ermittelt (Cyr & Oelke 1976). Als Tubus diente eine Toilettenpapierrolle mit einem an einer Öffnung angebrachten Fadenkreuz. Zum Abschätzen des
Kronenschlusses wurde der Zufallspunkt am Rand des acht Meter-Kreises umgangen und etwa alle fünf Schritte durch das nach oben gerichtet Rohr geblickt. Je
nachdem ob Blätter im Fadenkreuz erschienen oder nicht, wurde dies auf dem


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
22

EGRETTA 48/1-2

Protokollblatt „Krone geschlossen (J)" oder „Krone nicht geschlossen (N)" vermerkt.
Diese Prozedur wurde 10-mal wiederholt, wobei nur der Kronenschiussgrad im
obersten Drittel des Baumbestandes vermessen wurde.
Der Baumartenanteil wurde aus Forstoperaten ermittelt, die uns von Grundbesitzern
der jeweils untersuchten Probeflächen (MA 49, österreichische Bundesforste AG,

Stift Schotten, Stockert-Sjöngren-Wittgenstein) zur Verfügung gestellt wurden. Die
Dichte der Bäume über 20 cm Brusthöhendurchmesser (BHD) wurde nach der
point-centered quarter-Methode errechnet. Hier wird ein fiktives Kreuz über den
Aufnahmepunkt gelegt und in jedem entstandenen Viertel die Entfernung des
nächstgelegenen Baumes vom Mittelpunkt vermessen. Die Baumdichte wird nach
der von Kreeb (1983) beschriebenen Methode ermittelt. Von den vier Bäumen
wurden neben der Entfernung auch der BHD und alle toten Äste mit einem Mindestdurchmesser von 20 cm notiert.
Die Sonneneinstrahlung an den Beobachtungs- bzw. Referenzpunkten wurde unter
Berücksichtigung von Hangneigung und Exposition (Brück et al. 1983) von den
Messwerten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, erhoben auf der
Hohen Warte im Jahre 1992, abgeleitet. Die Höhenlage wurde aufgrund der in Wien
diesbezüglich geringen Differenzierung vernachlässigt. Für die weitere Analyse
wurde der Mittelwert aus der Einstrahlung im April, Mai und Juni verwendet. Dieser
Wert stellt für den Bestandsinnenraum zweifellos nur einen Näherungswert dar, da
weder Dichte des Waldbestandes, Baumartenzusammensetzung oder Bestandsalter berücksichtigt werden konnten.
Zur Ermittlung der Habitatpräferenzen wurden Unterschiede zwischen Revieren und
Kontrollpunkten durch eine vereinfachte Diskriminanzanalyse für den ZweigruppenFall herausgearbeitet. Bei dieser Methode werden zwei Gruppen mit Hilfe einer - in
unserem Fall - logistischen Regression getrennt (Manly 1994, Sokal & Rohlf
1995). Da die Variablen unterschiedliche Einheiten aufwiesen, wurden sie vor der
Durchführung multivariater Analysen transformiert (Tab. 2), wodurch ihre Verteilung
verbessert werden konnte (Fowler & Cohen o.J., Sokal & Rohlf 1995). Die
Regression wurde mit Hilfe des Programms LOGIREG von L. Nemeschkal durchgeführt, die Überprüfung der Signifikanz erfolgte durch Randomisierung mit 2.000
Durchgängen. Das Signifikanzniveau wurde auf p < 0,05 festgelegt.

4. Ergebnisse
4.1 V e r b r e i t u n g , Bestand und S i e d l u n g s d i c h t e
Auf 29 Probeflächen mit einer Gesamtfläche von 3.873 Hektar konnten 173 Reviere
des Mittelspechtes nachgewiesen werden. Das entspricht einer Siedlungsdichte von
0,45 Revieren/10 ha. Mit 0,99 Revieren/10 ha wurden die höchsten Siedlungsdichten in der Alberner Au und im Prater gefunden. Für den Wienerwald ergibt sich eine



©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2

23

Abb. 1: Die Siedlungsdichten (Reviere/10 ha) des Mittelspechtes (Dendrocopos medius)
in 29 zufällig verteilten Probeflächen mit jeweils 1,5 km2 zeigen dicht besiedelte Areale
im Lainzer Tiergarten, im nördlichen Wienerwald und im Prater.
Fig. 1: Densities of the Middle Spotted Woodpecker (TJendrocopos mediusj at 29 randomly sampled study areas (territories/10 ha).
Siedlungsdichte von 0,46 Revieren/10 ha (Abb. 1), wobei die Probeflächen im Lainzer Tiergarten mit 0,59 Revieren/10 ha dichter besiedelt waren als die Wienerwaldflächen außerhalb des Lainzer Tiergartens mit 0,36 Reviere/10 ha. Die Lobau mit
0,30 Revieren/10 ha ist vergleichsweise dünn besiedelt.
Basierend auf Hochrechnungen der einzelnen Siedlungsdichten auf die jeweiligen
Flächen der untersuchten Naturräume (Tab. 1) kann der Brutbestand des Mittelspechtes im Wienerwald innerhalb des Wiener Stadtgebietes mit 254 Brutpaaren
angegeben werden. Unter Berücksichtigung des Korrekturfaktors ergibt sich ein
Minimal- bzw. Maximalbestand von 227-281 Brutpaaren. Die Teilpopulation im
Prater und der Alberner Au umfasst rund 45 Reviere und jene in der Lobau 46 (4250) Reviere. Weitere 10-15 Reviere sind in jenen Naturräumen zu erwarten, die im


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

2A

EGRETTA 48/1-2

Rahmen dieser Studie nicht gezielt kartiert wurden wie beispielsweise Parks, Friedhöfe, Kleinwälder und Siedlungsgebiete (Archiv BirdLife Österreich). Das Brutvorkommen des Mittelspechtes auf Wiener Stadtgebiet umfasst daher insgesamt etwa
324-391 Reviere.
Tab. 1: Bestand und Siedlungsdichte des Mittelspechtes {Dendrocopos medius) in Wien.
Tab. 1: Population and density of the Middle Spotted Woodpecker (Dendrocopos mediusj

in Vienna.
Naturraum
Lainzer Tiergarten
Übriger Wienerwald
Lobau
Prater und Alberner Au

Untersuchte
Fläche (ha)
1.288
1.725
744
116

Anzahl erfasster Revie- Errechneter
re/10 ha Bestand (BP)
Reviere
124-154
0,59
76
103-127
0,36
63
42-50
0,30
22,5
45-45
0,99
11,5


Tab. 2: Habitatwahl des Mittelspechtes (Dendrocopos medius) in Wien. Ergebnis der
logistischen Gleichung der Rohvariablen. Devianz (saturiertes-beobachtetes Modell) im
einseitigen Test p<0,0005. Log-Likelihood-Funktion (beobachtetes Modell) im einseitigen
Test p<0,0005. Signifikante Variablen sind fett gedruckt (Reviere: n=39, Kontrollpunkte:
n=258). p...Irrtumswahrscheinlichkeit, beta...Praediktoren, WT...Wurzeltransformation,
LT...Logarithmische Transformation, AT...Arcsin-Transformation.
Tab. 2: Habitat choice of Middle Spotted Woodpecker (Dendrocopos medius) in Vienna.
Results of the discriminant function analysis of the variables with means of logistic regression. Significance was tested with randomisation. One-tailed significance for deviance (saturated-observed model): P < 0.0005. One-tailed significance for log-likelihoodfunction (observed model): P < 0.0005. Significant variables are typed in bold (Territories:
n=39, control points: n=258). P...significance level, beta...predictors, WT...root transformation, LT...logistic transformation, AT...arcsin-transformation.
VARIABLE
Konstante
Anzahl toter Äste (0 > 20 cm)
Baumdichte (0 > 20 cm)
Mittlerer Brusthöhendurchmesser (BHD)
Anzahl toter aufrecht stehender Stämme
Anteil grobborkiger Bäume
Alter des Bestandes
Kronenschlussgrad in oberster Schicht
Mittlere Einstrahlung

Transformati
on
WT
LT
LT
LT
AT
LT
AT
_


Beta

P

-0,69
0,466
1,456
0,492
-0,395
2,709
2,251
7,768
-1,230

0,182
0,260
0,647
0,714
0,138
< 0,0005
0,002
0,935
0,436


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2


25

50 -i

^0 -

2

1510 5-

1•
Eiche

c

n .

I1

I

j-.

1

1H

1. L

_

Weide

a) o

Erle

25-

Kiefer

| |

1
1

Ahom

30-

Esche

o

Diverse
Laubbäume

d

1


Pappel

35 -

D Kontrollpunkte (control points)



Hainbuche

40 -

• Reviere (territories)

Buche

45-

Abb. 2: Mittlerer Anteil unterschiedlicher Baumarten in Revieren des Mittelspechtes
(Dendrocopos medius) in Wien (n=39) im Vergleich zu den Kontrollpunkten (n=258). Der
Mittelspecht zeigt eine klare Präferenz für Eiche, Kiefer und Erle.
Fig. 2: Average proportion of tree species in territories of Middle Spotted Woodpecker
(Dendrocopos mediusj (black columns, n=39) and control points (white columns, n= 258).
The Middle Spotted Woodpecker prefers oak, pine and alder.

4.2 H a b i t a t a n s p r ü c h e
Die Analyse der im Rahmen der Habitat-Strukturmessungen aufgenommen Variablen unterstreicht die Bedeutung rauborkiger Baumarten und Altholzbeständen für
den Mittelspecht (Tab. 2). Reviere des Mittelspechtes unterscheiden sich von Referenzpunkten insbesondere durch einen höheren Anteil rauborkiger Baumarten
(p<0,0005). Wie aus Abb. 2 ersichtlich werden Eiche (Quercus sp.), Kiefer (Pinus
sp.) und Erle (Alnus sp.) bevorzugt. Die im Vergleich zu den Kontrollpunkten erkennbare Präferenz für alte Wälder (p=0,002) bestätigt sich in allen Vorkommensgebieten. Aufgrund der unterschiedlichen Wuchsleistungen müssen absolute Altersangaben jedoch für die Auwaldgebiete an der Donau und den Wienerwald

gesondert formuliert werden und sollen exemplarisch für den Wienerwald dargestellt werden. Im Wienerwald zeigt der Mittelspecht mit 60 % aller Beobachtungen
im Vergleich zu den Kontrollpunkten eine klare Präferenz für Wälder mit einem


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2

26

Bestandsalter von über 120 Jahren (Abb. 3). 60 % der Reviere entfallen auf Wälder
älter als 120 Jahre, der Anteil in Beständen über 80 Jahre beträgt beinahe 90 %.
Ein beträchtlicher Anteil von knapp 10 % der Mittelspechtnachweise entfällt auf die
Altersklasse zwischen 0-40 Jahre. Derartige Jungholzbestände können nur bei
einem entsprechend hohen Anteil an (Eichen-) Uberhältern besiedelt werden. Ein
limitierender Einfluss des Totholz- bzw. des Totastangebots auf das Vorkommen
des Mittelspechtes konnte nicht nachgewiesen werden. Die vom Mittelspecht besiedelten Waldbestände zeigen im Vergleich zu den Kontrollpunkten auch keinen
signifikanten Unterschied hinsichtlich Kronenschlussgrad, Waldbestandesdichte
und Brusthöhendurchmesser der Bäume. Obwohl der Mittelspecht grundsätzlich
eine Bevorzugung für klimatisch begünstigte Standorte zeigt (Dvorak et al. 1993),
konnte im Rahmen dieser Studie keine Bevorzugung von Flächen mit höherer Globaleinstrahlung festgestellt werden.

• Reviere (territories)
D Kontrollpunkte (control points)

0-40

41-80

81-120


>120

Bestandsalter in Jahren
Age of stands in years

Abb. 3: Altersklassen der Baumbestände in den Revieren des Mittelspechtes, exemplarisch dargestellt für den Wienerwald. Der Mittelspecht zeigt eine signifikante Bevorzugung von Altholzbeständen (Reviere: n=39, Kontrollpunkte: n=258).
Fig. 3: Age classes of the forests in territories of Middle Spotted Woodpecker in the
Vienna Woods forest (black columns, n=39) in comparison to control points (white columns, n=297). Middle Spotted Woodpeckers prefer mature stands.


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
EGRETTA 48/1-2

27

5. Diskussion
5.1 V e r b r e i t u n g , Bestand und Dichte
Der Mittelspecht ist in den Waldgebieten auf Wiener Stadtgebiet weit verbreitet.
Sowohl im Wienerwald und im Lainzer Tiergarten als auch in den Auwaldgebieten
der Lobau und im Prater befinden sich bedeutende Vorkommensgebiete. Nachweise im Archiv von BirdLife Österreich bestätigen Einzelvorkommen auch in größeren
Parks und Kleinwäldern und sporadisch auch im Siedlungsgebiet, insbesondere in
Kleingarten- und Gartensiedlungen in unmittelbarer Nähe zu größeren Waldgebieten. Der Bestand in Wien ist von hoher Bedeutung für Österreich: Etwa 9-10 % des
gesamtösterreichischen Bestandes von 2.900-4.300 Paaren (BirdLife I n t e r n a t i onal 2004) brüten in Wien.
Aus einigen Teilräumen des Untersuchungsgebietes liegen bereits Publikationen
über das Vorkommen des Mittelspechtes vor. Insbesondere für den Lainzer Tiergarten und für kleinere, im nördlichen Wienerwald gelegene Teilflächen beschreiben
Schmalzer (1990), Sachslehner (1995), Michalek (1998) und Michalek et
al. (2001) die hohe Bedeutung als Lebensraum für den Mittelspecht. Anfang der
1980er Jahre wurde erstmals eine flächendeckende Erfassung der Brutvögel Wiens
durchgeführt. Bock (1983) zeichnet darin ein im Vergleich zur aktuellen Studie

ähnliches Verbreitungsbild des Mittelspechtes, allerdings finden sich bei Bock
(1983) auffällige Lücken in den nördlichen Wiener Gemeindebezirken im Bereich
Leopoldsberg, Kahlenberg und Hermannskogel sowie in der Lobau. Hinweise auf
eine derartige Arealausweitung in den letzten Jahrzehnten liegen nicht vor, vielmehr
dürfte diese Diskrepanz methodisch bedingt sein (vgl. Südbeck & Flade 2005).
Ebenfalls methodisch erklärbar sind die bei Michalek et al. (2001) und Kollar &
Seiter (1989) im Vergleich zur aktuellen Studie deutlich höheren Siedlungsdichten,
die offensichtlich aus den vergleichsweise kleinflächigen methodischen Ansätzen
resultieren (vgl. Spitznagel 1993).
Die im Rahmen dieser Studie festgestellten mittleren Siedlungsdichten von 0,46
Revieren/10 ha im Wienerwald, 0,30 Revieren/10 ha in der Lobau und von durchschnittlich 0,99 Revieren/10 ha im Prater bzw. in der Alberner Au (Tab. 1) entsprechen weitgehend den Zusammenstellungen von Jenni (1977). Die darin aufgelisteten Kartierungen ergaben in einheitlichen Eichen-Hainbuchen-Beständen mit
Flächen zwischen 24-172 ha Siedlungsdichten von 0,7-1,4 Brutpaaren/10 ha. Bestandsaufnahmen auf größeren Flächen, die auch für den Mittelspecht ungeeignete
Teilflächen beinhalten, führen meist zu geringen Siedlungsdichten von 0,02-0,23
Brutpaare/10 ha. Bemerkenswert sind die Siedlungsdichten in uralten Buchenreinbeständen von bis zu 2,9 Brutpaaren/10 ha (Zusammenstellung in Südbeck &
Flade 2004), die das hohe Lebensraumpotential des buchendominierten Wienerwaldes für den Mittelspecht aufzeigen. Auffallend sind die für das Wiener Stadtgebiet hohen Siedlungsdichten des Mittelspechtes in den Auwaldgebieten der Alberner Au und des Praters und die im Vergleich dazu sehr geringe Abundanz in der als
Nationalpark ausgewiesenen Lobau. Dies lässt auf die schlechtere Eignung der


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
2S

EGRETTA 48/1-2

Lobau als Lebensraum für den Mittelspecht schließen. Da die Waldflächen der
Lobau im Zuge der Ausweisung als Nationalpark aus der Nutzung genommen worden sind, ist die zukünftige Entwicklung des Mittelspecht-Bestandes in Abhängigkeit
von der Waldentwicklung von großem Interesse.
5.2 H a b i t a t a n s p r ü c h e
Für Mitteleuropa werden sowohl natürliche Eichenbestände als auch Auwälder als
ursprüngliche Lebensräume des Mittelspechtes beschrieben (Winkler et al. 1995).
Neuere Studien betonen jedoch, dass dieses Verbreitungsbild vielerorts wohl nur

ein Resultat der niedrigen Umtriebszeit ist, da Buchenwälder erst in sehr hohem
Alter geeigneten Lebensraum für den Mittelspecht darstellen. Zahlreiche Autoren
betonen das beinahe deckungsgleiche Vorkommen von Eiche und Mittelspecht und
zeigen die Abhängigkeit der Siedlungsdichte vom Angebot an (Alt-)Eichen (Pasinelli 1999, Michalek 2001). Pasinelli (1999) vermutet jedoch, dass nicht nur
das Angebot der Eiche, sondern auch jenes anderer grobborkiger Baumarten wie
beispielsweise Weide und Schwarzerle die Siedlungsdichte des Mittelspechtes
direkt beeinflussen können, wenn diese in ausreichender Dichte und in entsprechend alten Beständen bestehen. Er verweist in diesem Zusammenhang auf
Hochebner (1993) und Günther & Hellmann (1997), die Vorkommen des
Mittelspechtes in Wäldern ohne Eichen, allerdings mit hohem Anteil grobborkiger
Baumarten nachweisen konnten. Im Auwaldgebiet an der March besiedelt der Mittelspecht sowohl die eichenreichen Mittelwälder als auch Quirleschen-Bestände und
die Weichholz-Auen in hoher Dichte, da neben der Stieleiche auch die Weide und
die Quirlesche die vom Mittelspecht bevorzugte rissige Rindenoberfläche bieten
(Zuna-Kratky et al. 2000). Zahlreiche Autoren streichen inzwischen die Bedeutung von Erle und Esche heraus (Liesen 1994, Dörrie 2001, Weiss 2002). Eine
hohe Grobborkigkeit der Stämme bedeutet eine große Oberfläche, die der Mittelspecht nach Nahrung absuchen kann. Damit stellt Grobborkigkeit für den Mittelspecht als „Stocherspecht" eine zentrale Lebensraumausstattung dar.
Auf Wiener Stadtgebiet beeinflusst das Vorkommen der Eiche entscheidend die
Habitatwahl des Mittelspechtes. Diesbezüglich deckt sich diese Studie weitgehend
mit Literaturangaben. Der hohe Anteil der Hainbuche in den Revieren ist wohl auf
das gemeinsame Vorkommen mit der Eiche zurückzuführen. Neben der Eiche
werden auch Kiefer und Erle, die nur in vergleichsweise geringer Stammzahl auf
Wiener Stadtgebiet vorkommen, vom Mittelspecht stark bevorzugt. So stellen beispielsweise im Wienerwald die bachbegleitenden Erlenbestände wichtige Lebensraumausschnitte für den Mittelspecht dar. Nur vereinzelt konnten Nahrung suchende Mittelspechte in sehr alten Buchen-Reinbeständen beobachtet werden, wobei
gezielt jene Stammbereiche abgesucht wurden, die durch Ritzen, Wülste oder
Totholzstrukturen eine höhere Rauhigkeit und Strukturierung zeigten (vgl. Günther
& HeIImann 1997, Flade 2001). Auffallend ist der vergleichsweise hohe Anteil
der Kiefer in Revieren des Mittelspechts. In Laubholzbeständen mit beigemischten
Kiefern konnten Nahrung suchende Mittelspechte regelmäßig auf Kiefern beobachtet werden. Reine Kiefernbestände wie beispielsweise ehemalige Aufforstungsflächen in der Lobau werden vom Mittelspecht aber vollständig gemieden.


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at
EGRETTA48/1-2


29

Die in dieser Arbeit festgestellte Bevorzugung alter Bestände deckt sich mit den in
der Literatur vorhandenen Angaben, dass ausschließlich Wälder mit hohem Bestandsalter potentiellen Lebensraum für den Mittelspecht darstellen (Glutz von
Blotzheim & Bauer 1990, Kosinsky & W i n i e c k i 2005). So werden Buchenbestände erst ab einem Bestandsalter von deutlich über 200 Jahren besiedelt (Hertel
2003). Becker & Heyne (1994) zeigen, dass Eichenbestände ab einem Alter von
80-100 Jahren besiedelt werden. Heinze (1995) gibt für Eichenwälder einen
Schwellenwert von 100 Jahren an, um vom Mittelspecht besiedelt zu werden, optimal sind jedoch Eichen ab einem Alter von 150-300 Jahren. Im Niderholz im Kanton
Zürich sind ausreichend große Eichenwälder die jünger als 100 Jahre sind ebenfalls
unbesiedelt (Bühlmann 1991). Bei tiefgründigen Böden könnte die Besiedlung
jedoch auch früher stattfinden. So werden in Wien auch Bestände genutzt, die
jünger als 80 Jahre sind. Es ist aber eine klare Präferenz für Bestände älter als 120
Jahre vorhanden.
Eine ganze Reihe von Strukturausprägungen hängen mit dem Alter der Bestände
zusammen (Scherzinger 1996). So nimmt das Angebot an Totholz und die Grobborkigkeit der Stämme zu. Daraus resultiert ein größeres Insekten- und Höhlenangebot (Weiss 1984, Harding & Rose 1986, Otte 1989, S c h e r z i n g e r 1996).
Der Bedeutung von Totholz für den Mittelspecht wird unterschiedliche Bedeutung
beigemessen. Nach Pasinelli (1999) spielt das Angebot an Totholz für den Mittelspecht nur eine untergeordnete Rolle. Im Rahmen dieser Studie konnte ebenfalls
keine Bevorzugung totholzreicher Wälder festgestellt werden. Weder die Anzahl
stehender Totholzstämme noch das Angebot an Totästen beeinflusst wesentlich die
Verbreitung des Mittelspechtes in Wien. Pillmann et al. (1990) berichten von einer
im Großraum Wien relativ starken Schädigung der Kronenbereiche insbesondere
bei der Eiche. Möglicherweise ist das Angebot an Totästen generell so groß, dass
kein limitierender Einfluss auf den Mittelspecht festgestellt werden konnte. In Buchenwäldern dürfte Totholz sehr wohl einen limitierenden Faktor darstellen (Hertel
2003).
Neben dem Totholzanteil und der Borkenrauhigkeit entscheidet nach S c h e r z i n g e r
(1996) insbesondere die Besonnung des Wuchsortes über Diversität und Dichte der
die Oberflächen bewohnenden Insekten. Dementsprechend werden aufgelockerte,
mittelwald- und parkähnliche Waldbestände vielfach als Optimalhabitat für den
Mittelspecht beschrieben (Bühlmann 1991, Coch 1997). Das Vorkommen des
Mittelspechtes in Wien hingegen wird weder durch den Kronenschlussgrad oder die

Baumdichte noch durch die Sonneneinstrahlung wesentlich beeinflusst. Die fehlende Bevorzugung wärmegeprägter Bereiche ist wohl durch die geografische Lage
von Wien im pannonisch geprägten Klimaraum erklärbar. Offensichtlich entsprechen dadurch auch Standorte mit geringerer Globaleinstrahlung den Habitatansprüchen des Mittelspechtes, wie z. B. bachbegleitende Gehölzreihen in kühleren Grabensituationen.


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

J30

EGRETTA 48/1-2
5.3 M a n a g e m e n t m a ß n a h m e n

Die in dieser Studie untersuchten Habitatparameter lassen somit den Schluss zu,
dass das Waldbestandsalter eine der wesentlichen Einflussgrößen auf die Verbreitung und Siedlungsdichte des Mittelspechtes darstellt. Die großflächige Außernutzungstellung eichenreicher Waldbestände in Schutzgebieten (z.B. Biosphärenpark
Wienerwald) ist zweifellos zielführend (vgl. auch Günther 1992). So verbessert die
Erhöhung des Bestandsalters auf 250 Jahre die Habitatqualität entscheidend (Hölzinger 1987). In Totalreservaten im Wienerwald können sich auch Buchenstandorte zu Mittelspecht-Lebensräumen von morgen entwickeln. Riess (1986) kalkuliert
als Minimalareal für Populationen mittelgroßer Vogelarten eine Fläche von 1.000
ha. Um eine langfristig überlebensfähige Population des Mittelspechtes zu sichern,
ergibt sich ein kalkulierter Flächenbedarf von 2.000 ha (Hovestadt et al. 1992 in
J e d i c k e 1994). Im Rahmen des Gebietsmanagements im Biosphärenpark Wienerwald bietet sich der Lainzer Tiergarten als Kernareal für den Mittelspecht an.
Kleinflächig kommen dem Mittelspecht Altholzinseln bzw. das Stehenlassen von
Eichenüberhältern entgegen (Bühlmann 1993, Zuna-Kratky 1994). Nach
Bühl mann (1993) müssen Altholzinseln eine Mindestausdehnung von 10 ha aufweisen und dürfen nach Möglichkeit nicht weiter als drei Kilometer voneinander
entfernt sein. Weit größere Flächen gibt Müller (1982) an. Seiner Meinung nach
sollten Alteichenbestände sogar eine Mindestgröße von 30-40 ha aufweisen und
sich in enger Nachbarschaft zueinander befinden. Eichenüberhälter sollten maximal
50 m voneinander entfernt stehen. Suboptimale Habitate, die vom Mittelspecht
besetzte Wälder umgeben, stellen wichtige „Warteräume" für unverpaarte Individuen dar (Pasinelli et al. 2001) und fungieren bei Migrationsbewegungen, insbesondere bei der Jungendispersion, als Trittsteine (Petterson 1985b). In diesen Gebieten sollten alte, grobborkige Bäume erhalten bleiben (vgl. Pasinelli 2003). Durch
Umsetzung diverser kleinräumiger Schutzmaßnahmen bis hin zum Einzelbaumschutz könnten im Zuge der „guten Praxis" in der Forstwirtschaft großräumige Lebensraumverbesserungen für den Mittelspecht erreicht werden. Vorbildhaft sollten
derartige Maßnahmen in der Entwicklungs- und Pufferzone eines Biosphärenparks
im Wienerwald realisiert werden.

Die hohen Siedlungsdichten in der Alberner Au und im Prater zeigen das hohe
Potential von Auwäldern für den Mittelspecht, hingegen ist die Lobau nur sehr dünn
besiedelt. Den Lebensraumansprüchen des Mittelspechts sollte daher im Rahmen
des Naturraummanagements in den Wiener Teilen des Nationalparks Donau-Auen
hohe Bedeutung beigemessen werden. Durch die Außernutzungsteilung der Waldbestände auf Nationalparkfläche ist mittelfristig mit einer deutlichen Verbesserung
der Lebensraumsituation zu rechnen. Eine detaillierte Beschreibung von Managementmaßnahmen findet sich i n W i c h m a n n & F r a n k (2003).

Zusammenfassung
Im Jahr 2001 wurde eine großflächige Erhebung des Mittelspechtbestands in den
Waldflächen Wiens durchgeführt. Mit 0,99 Revieren/10 ha wurden im Prater und in


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2

31

der Alberner Au die höchsten Dichten gefunden. Der Wienerwald wurde mit 0,46
Revieren/10 ha besiedelt, wobei der Lainzer Tiergarten eine Dichte von 0,59 Revieren/10 ha aufwies. Der Wiener Bestand wurde auf 324-391 Brutpaare geschätzt.
Das Vorkommen der Art war vom Bestandesalter und vom Vorkommen grobborkiger Baumarten bestimmt. Im Wienerwald wurden über 90 % der Reviere in Waldbeständen mit einem Alter von mindestens 80 Jahren gefunden. Grobborkige Bäume wie Eiche, Kiefer und Erle waren in diesen Beständen vorherrschend. Das
Angebot an Totholz, der Kronenschlussgrad, die Waldbestandesdichte und Brusthöhendurchmesser zeigten keinen signifikanten Einfluss. Es zeigte sich auch keine
Bevorzugung wärmebetonter Waldbestände.
Dank
Diese Studie wurde von der Magistratsabteilung 22 (Umweltschutz) der Stadt Wien finanziert,
wobei wir uns besonders bei Harald Gross und Joseph Mikocki bedanken wollen, die für
uns wichtige Ansprechpartner waren. Hans N e m e s c h k a l (Universität Wien) und Gerhard
S p i t z e r (Universität Wien) unterstützten uns bei kniffligen statistischen Fragen. Wertvolle
Anmerkungen zu einer ersten Version des Manuskripts kamen von Michael D v o r a k . In späterer Folge gaben uns Alexander S c h u s t e r und ein anonymer Reviewer weitere wichtige
Hinweise zur Verbesserung der Arbeit.


Literatur
Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Vögel Mitteleuropas. Bestand und Gefährdung.
AULA-Verlag, Wiesbaden, 715 pp.
Becker, M. & K.-H. Heyne (1994): Verbreitung und Bestand des Mittelspechtes (Picoides medius) im Raum Trier, westliche Rheinland-Pfalz. Dendrocopos. Faunistik, Floristik
und Naturschutz im Regierungsbezirk Trier 21: 17-27 + Anhang.
Berg, H.-M. (1997): Rote Listen ausgewählter Tiergruppen Niederösterreichs - Vögel
(Aves), 1. Fassung 1995. NÖ Landesregierung, Abteilung Naturschutz, Wien, 184 pp.
Bibby, C. J., N. D. Burgess & D. A. Hill (1992): Bird Census Techniques. Academic
Press, London, 257 pp.
BirdLife International (2004): Birds in Europe: population estimates, trends and
conservation status. Cambridge, UK. BirdLife International (BirdLife Conservation Series
No. 12). 374 pp.
Bock, F. (1983): Biotopkartierung der MA 22 - Vogelkartierung. Studie im Auftrag der
MA 22.
Brück, N. N. Hammer, F. Neuwirth & G. Schaffar (1983): Meterologische Daten
und Berechnungsverfahren, österr. Ges. Sonnenenergie und Weltraumfragen (ASSA).
Bühlmann, J. (1993): Nachhaltige Bewirtschaftung von Eichenwäldern - Grundlage für
den Schutz des Mittelspechtes (Picoides medius). Beih. Veröff. Naturschutz. Landschaftspflege Bad.-Württ. 67: 163-169.
Bühlmann, J. (1991): Erinnerung an eichenreiche Zeiten - Mehr Mittelwälder für den
Mittelspecht. Ornis 2: 29-31.
Coch, T. (1997): Specht (Gattung Picoides) und Strukturmerkmale als Wegweiser einer
Eigenart bewahrende Pflege und Entwicklung ehemaliger Mittelwälder. Diss., AlbertLudwigs-Universität Freiburg.


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

32

EGRETTA 48/1-2


Cyr, A. & H. Oelke (1976): Vorschläge zur Standardisierung von Biotopbeschreibungen
bei Vogelbestandsaufnahmen im Waldland. Vogelwelt 97: 161-175.
Dörrie, H. H. (2001): Der Mittelspecht Picoides medius in Süd-Niedersachsen - Bilanz
einer qualitativen Bestandsaufnahme im Frühjahr 2000 mit Anmerkungen zu seiner Naturgeschichte. Naturkundl. Ber. Fauna Sü-Niedersachs. 6: 122-140.
Dvorak, M., A. Ranner & H.-M. Berg (1993): Atlas der Brutvögel Österreichs. Ergebnisse der Brutvogelkartierung 1981-1985 der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde. Umweltbundesamt & Österr. Ges. für Vogelkunde, Wien. 527 pp.
Eckmüller, O., W. Fleck, C. Fraissl, B. Posch & F. Reimoser (2001): Naturrauminventur (Wald) im Nationalpark Donau-Auen. Stichprobeninventur 1998/99. Wien.
Flade, M. (2001): Aktuell laufende Untersuchungen an Spechten in den Großschutzgebieten Brandenburgs - unter besonderer Berücksichtigung des Mittelspechtes Picoides
medius. Vortrag, International Woodpecker Symposium, Berchtesgaden.
Fowler, J. & L. COHEN (O. J.): Statistics for Ornithologists. BTO Guide No 22.
Frank, G. (2002): Brutzeitliche Einnischung des Weißrückenspechtes Dendrocopos
leucotos im Vergleich zum Buntspecht Dendrocopos major in montanen Mischwäldern
der nördlichen Kalkalpen. Vogelwelt 123: 225-239.
GLUTZ VON BLOTZHEIM, U. N. & K. M. BAUER (1980): Handbuch der Vögel Mitteleuropas.

Band 9. Aula Verlag. Wiesbaden.
Günther, E. & M. Hellmann (1997): Der Mittelspecht und die Buche: Versuch einer
Interpretation seines Vorkommens in Buchenwäldern. Omithol. über. Mus. Heineanum
15: 97-108.
Günther, E. (1992): Untersuchung zum Brutbestand, zur Bestandsentwicklung und zum
Habitat des Mittelspechts (Dendrocopos medius) im nordöstlichen Harz (SachsenAnhalt). Orn. Jber. Mus. Heineanum 10: 31-53.
Harding, P. & F. Rose (1986): Pasture woodlands in lowland Britain. A review of their
importance for wildlife conservation. Inst. Terrestrial. Ecology Huntingdon
Heinze, J. (1995): Der Mittelspecht (Dendrocopos medius) und die Gefährdung seines
Lebensraumes im nordwestlichen Teil des Hildesheimer Waldes. Naturkdl. Mitt. Orn.
Verein Hildesheim 16: 103-118.
Hertel, F. (2003): Habitatnutzung und Nahrungserwerb von Buntspecht Picoides major,
Mittelspecht Picoides medius und Kleiber Sitta europaea in bewirtschafteten und unbewirtschafteten Buchenwäldern des nordostdeutschen Tieflandes. Vogelwelt 124: 11-132.
Hochebner, T. (1993): Siedlungsdichte und Lebensraum einer randalpinen Population
des Mittelspechtes (Picoides medius) im niederösterreichischen Alpenvorland. Egretta

36: 25-37.
Hovestadt, T., J. Roeser & J. Mühlenberg (1992): Flächenbedarf von Tierpopulationen als Kriterien für Maßnahmen des Biotopschutzes und als Datenbasis zur Beurteilung
von Eingriffen in Natur und Landschaft. Ber. Aus der Ökol. Forschung 1. Forschungszentrum Jülich, Jülich. In: Jedicke, E. (1994): Biotopverbund. Grundlagen und Maßnahmen
einer neuen Naturschutzstrategie. Eugen Ulmer, Stuttgart, 287 pp.
Jenni, L. (1977): Zur Bestandsentwicklung und Biotopwahl von Mittelspecht und Buntspecht, Dendrocopos medius und major, im Allschwiler-Wald bei Basel. Der Ornithologische Beobachter 74, 62-70.
Jenni, L. (1983): Habitatnutzung, Nahrungserwerb und Nahrung von Mittel- und Buntspecht (Dendrocopos medius und major) sowie Bemerkungen zur Verbreitungsgeschichte des Mittelspechtes. Orn. Beob. 80: 29-57.
Kollar, H. P. & M. Seiter (1989): Biotopstruktur und Vogelfauna in den Donau-Auen
östlich von Wien. Studie im Auftrag der Österreichischen Donaukraft AG. 43 pp.+Anhang.
Konsinsky, Z. & Winiecki, A. (2005): Factors affecting the density of the middle spotted woodpecker Dendrocopos medius: a macrohabitat approach. J. Orn. 146: 263-270.


©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

EGRETTA 48/1-2

33

Kreeb, K. H. (1983): Vegetationskunde. Ulmer Verlag Stuttgart.
Liesen, J. (1994): Aspekte der Verwendung des Mittelspechtes (Picoides medius) als
Leitart für die Bewertung ehemaliger Mittelwälder. Verlag Natur in Buch und Kunst,
Neunkirchen, 91 pp.
Manly, B. F. J. (1994): Multivariate Statistical Methods. 2. Edition. Chapman & Hall.
Michalek, K. G., J. Auer, H. Großberger, A. Schmalzer & H. Winkler (2001): Die
Einflüsse von Lebensraum, Witterung und Waldbewirtschaftung auf die Brutdichte von
Bunt- und Mittelspecht {Picoides major und P. medius) im Wienerwald. Abh. Ber. Mus.
Heineanum 5., Sonderheft. 31-58.
Michalek, K. (1998): Die Rolle der Geschlechter bei Buntspecht (Picoides major) und
Mittelspecht (Picoides medius). Dissertation, Universität Wien, 131 pp.
Müller, W. (1982): Die Besiedlung der Eichenwälder im Kanton Zürich durch den Mittelspecht Dendrcopos medius. Ornithol. Beob. 79: 105-119.
Otte, J. (1989): Ökologische Bedeutung von Wildwurfflächen für die Insektenfauna. Teil I

= Waldhygiene 17: 193-247; Teil ll= Waldhygiene 18: 1-36.
Pasinelli, G. (2003): Dendrocopos medius Middle Spotted Woodpecker. BWP update
Vol. 5 No. 1:49-99.
Pasinelli, G. (2001): Oaks (Quercus spec.) and only oaks? Relations between habitat
structure and home range size of the middle spotted woodpecker (Dendrocopos medius).
Boil. Conserv. 93: 227-235.
Pasinelli, G. (1999): Relations between Habitat Structure, Space Use and Breeding
Success of the Middle Spotted Woodpecker Dendrocopos medius. Diss., Univ. Zürich.
Petterson, B. (1983): Foraging behaviour of the middle spotted woodpecker in Sweden.
Holarct. Ecol. 6: 263-269.
Pillmann, W., K. Kellner, G. Mannsberger, M. Holzwieser & H. Mauser (1990):
Waldzustand Wienerwald im Stadtgebiet Wien. Im Auftrag d. MA 22.
Riess, W. (1986): Konzepte zum Biotopverbund im Arten- und Biotopschutzprogramm
Bayern. Laufener Seminarbeitr. 10: 102-115.
Sachslehner, L. (1995): Lainzer Tiergarten. Pp. 77-86 in: M. Dvorak & E. Karner:
Important Bird Areas in Österreich. Monographien Bd. 71. Wien. Umweltbundesamt.
Winter S., M. Flade, H. Schumacher, E. Kerstan & G. Möller (2005): The importance of near-natural stand structures for the biocoenosis of lowland beech forests. For.
Snow Landsc. Res. 79: 127-144.
Scherzinger, W. (1996): Naturschutz im Wald. Qualitätsziele einer dynamische Waldentwicklung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 447 pp.
Sokal, R. F. & F. J. Rohlf (1995): Biometry. Third Edition. W. H. Freeman and Company. New York.
Spitznagel, A. (1993): Warum sind Spechte schwierig zu erfassende Arten? Beih.
Veröff. Naturschutz. Landschaftspflege Bad.-Württ. 67: 59-70.
Südbeck, P. & M. Flade (2004): Bestand und Bestandsentwicklung des Mittelspechts
Picoides medius in Deutschland und seine Bedeutung für den Waldnaturschutz. Vogelwelt 125: 319-326.
Weiss, S. (2002): Erlenwälder als bisher unbeachteter Lebensraum des Mittelspechtes
(Dendrocopos medius) - Eine ökologische Untersuchung im Oberspreewald. Diplomarbeit, FH Eberswalde.
Weiss, J. (1984): Ein Netz von Buchen-Altholzinseln als Beispiel eines BiotopVerbundsystems. LÖFL Mitt. 9: 38-43.
Wich mann, G. & M. Dvorak (2003): Atlas der Brutvögel der Stadt Wien. Zwischenbericht über die Ergebnisse der Jahre 2000-2002. Unpubl. Bericht. BirdLife Österreich.
Wien, 67 pp.



©Birdlife Österreich, Gesellschaft für Vogelkunde, Austria, download unter www.biologiezentrum.at

34

EGRETTA 48/1-2

Wichmann, G. & G. Frank (2003): Bestandserhebung der Wiener Brutvögel. Ergebnisse der Spezialkartierung Waldvögel. Studie i. Auftr. d. MA 22 - Wien. 53 pp.
Winkler, H., D. A. Christie & D. Nurney (1995): Woodpeckers - A Guide to the
Woodpeckers, Piculets and Wrynecks of the World. Mountfield.
Zuna-Kratky, T., E. Kalivodovä, A. Kürthy, D. Horal & P. Horak (2000): Die
Vögel der March-Thaya-Auen im österreichisch-slowakisch-tschechischen Grenzraum.
Diestelverein, Deutsch-Wagram, 285 pp.
Zuna-Kratky, T. (1994): Die Bedeutung von Naturwaldreservaten im Wienerwald für
bedrohte Waldvögel. Pp. 83-90 in Freunde der Wienerwaldkonferenz (Hrsg.): Urwälder
für die Zukunft: Naturwaldreservate im Wienerwald. Arbeitstagung 1994 in Purkersdorf.
Anschriften der Verfasser:
Mag. Gabor W i c h m a n n
BirdLife Österreich
Museumsplatz 1/10/8
A-1070 Wien
email:
Mag. Georg Frank
Nationalpark Donau-Auen
Schlossplatz 1
A-2304 Orth/Donau
email:




×